KI Grundlagen2026-07-24· 7 Min

"Was sind AI Agents? Definition, Funktionsweise und Beispiele"

AI Agents einfach erklärt — Definition, Unterschied zum Chatbot, wie Agents mit Tools und Zielen arbeiten und was Multi-Agent-Systeme sind.

BD

Boris Dittberner

Gründer, SixSides Academy

Was sind AI Agents? Die Definition

AI Agents (KI-Agenten) sind Softwaresysteme, die auf Basis eines Sprachmodells eigenständig Aufgaben erledigen: Sie nehmen ein Ziel entgegen, planen die nötigen Schritte, setzen dafür Werkzeuge ein und handeln so lange weiter, bis das Ziel erreicht ist — ohne dass für jeden einzelnen Schritt ein Mensch eingreifen muss.

Kurz gefasst: Ein AI Agent ist ein KI-System, das nicht nur antwortet, sondern selbstständig handelt — es liest Informationen, trifft Entscheidungen, ruft Tools auf und prüft die Ergebnisse, bevor es den nächsten Schritt geht.

Das unterscheidet Agents fundamental von der Art, wie die meisten Menschen KI bisher nutzen: als Frage-Antwort-Werkzeug in einem Chatfenster.

Agent vs. Chatbot: Der entscheidende Unterschied

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Ein Chatbot beantwortet eine Anfrage und wartet dann auf die nächste. Ein AI Agent arbeitet in einer Schleife: Er bewertet die Situation, entscheidet über den nächsten Schritt, führt ihn aus, prüft das Ergebnis — und wiederholt das, bis die Aufgabe erledigt ist.

MerkmalChatbotAI Agent
InteraktionFrage → AntwortZiel → mehrere Schritte bis zur Lösung
WerkzeugeIn der Regel keineTools wie Dateisystem, APIs, Datenbanken
AutonomieReagiert nurPlant, handelt, überprüft sich selbst
Gedächtnis über SchritteNeinJa, innerhalb der Aufgabe
Typisches Beispiel"Erkläre mir XY""Buche mir einen Termin und bestätige ihn per Mail"

Ein Chatbot kann dir erklären, wie man einen Termin bucht. Ein Agent bucht den Termin — inklusive Kalenderprüfung, Terminvorschlag und Bestätigungsmail.

Wie AI Agents arbeiten: Tools, Schleifen, Ziele

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1. Ein Ziel

Der Agent bekommt eine Aufgabe formuliert — nicht zwingend jeden Einzelschritt. "Finde alle offenen Rechnungen älter als 30 Tage und schreibe eine freundliche Erinnerung" ist ein Ziel, kein Skript.

2. Tools

Damit ein Agent handeln kann, braucht er Zugriff auf Werkzeuge: Dateisystem-Zugriff, eine Datenbank-Abfrage, einen E-Mail-Versand, eine Websuche, einen API-Call. Ohne Tools bleibt ein Agent ein reiner Text-Generator. Das Model Context Protocol (MCP) ist mittlerweile der offene Standard, über den Agenten solche Tools anbinden — mehr dazu in unserem MCP-Server-Tutorial.

3. Die Schleife (Loop)

Der Agent arbeitet iterativ: beobachten → planen → handeln → Ergebnis prüfen → nächsten Schritt planen. Diese Schleife läuft so lange, bis das Ziel erreicht ist oder der Agent erkennt, dass er nicht weiterkommt und Rückfragen stellen muss.

Genau diese Kombination — Ziel, Tools, Schleife — macht den Unterschied zu klassischer Automatisierung. Eine feste Automatisierung führt immer dieselben Schritte aus. Ein Agent entscheidet bei jedem Durchlauf neu, welcher Schritt als Nächstes sinnvoll ist.

Beispiele für AI Agents in der Praxis

  • Coding-Agent: Claude Code liest eine Codebasis, plant eine Änderung, schreibt Code, führt Tests aus und korrigiert sich selbst, wenn ein Test fehlschlägt.
  • Recherche-Agent: Durchsucht mehrere Quellen, bewertet deren Relevanz und fasst die Ergebnisse strukturiert zusammen.
  • Support-Agent: Liest eine Kundenanfrage, prüft den Bestellstatus in einem System, formuliert eine Antwort und eskaliert nur, wenn er unsicher ist.
  • Datenpflege-Agent: Gleicht Einträge zwischen zwei Systemen ab, erkennt Abweichungen und korrigiert sie nach definierten Regeln.

Was diese Beispiele verbindet: Der Agent trifft innerhalb seines Auftrags eigene Entscheidungen, statt stur eine vorgegebene Schrittfolge abzuarbeiten.

Multi-Agent-Systeme: Wenn mehrere Agents zusammenarbeiten

Komplexe Aufgaben lassen sich oft besser lösen, wenn man sie auf mehrere spezialisierte Agents statt auf einen einzigen verteilt — ein Agent fürs Recherchieren, einer fürs Schreiben, einer fürs Prüfen. Jeder Agent bekommt einen klar abgegrenzten Auftrag und eigenen Kontext, ein übergeordneter Agent führt die Ergebnisse zusammen.

Das ist kein exotisches Nischenthema mehr, sondern in Tools wie Claude Code direkt nutzbar über Subagenten. Wie das konkret funktioniert — inklusive Architektur-Patterns wie Fan-out/Fan-in — erklären wir ausführlich im Agent-Orchestration-Guide.

Wo AI Agents an ihre Grenzen stoßen

Agents sind kein Selbstläufer. Typische Grenzen:

  • Fehlende Tools = fehlende Fähigkeiten. Ein Agent kann nur das tun, wofür er ein Tool hat.
  • Unklare Ziele führen zu unklaren Ergebnissen. Je vager die Aufgabe, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Agent etwas anderes tut als gewünscht.
  • Kontrolle bleibt nötig. Gerade bei Aktionen mit echten Konsequenzen (Zahlungen, Löschungen, Kundenkommunikation) gehören Review-Schritte in den Prozess.
  • Kosten und Zeit steigen mit der Anzahl der Schritte. Jeder Schleifendurchlauf kostet Rechenzeit — Agents sind kein Ersatz für einfache, feste Automatisierung, wo diese ausreicht.

AI Agents lernen und einsetzen

Wer verstehen will, wie man AI Agents nicht nur nutzt, sondern selbst baut, findet den nächsten Schritt in unserem Artikel AI Agents selber bauen. Praktisch geübt wird das Thema unter anderem im Workshop AI Agents Orchestration der SixSides Academy.

Wenn du unsicher bist, welcher Einstieg zu deinem Kenntnisstand passt, hilft der Kurs-Finder in wenigen Minuten weiter.

FAQ

Ist ChatGPT ein AI Agent? ChatGPT selbst ist in seiner Basisform in erster Linie ein Chatbot. Mit aktivierten Tools (Websuche, Code-Ausführung, Plugins) und mehrstufigen Aufgaben nähert es sich Agent-Verhalten an — die reine Chat-Antwort ohne Tools ist aber kein Agent im engeren Sinn.

Brauche ich Programmierkenntnisse, um AI Agents zu nutzen? Um fertige Agent-Tools zu nutzen, nein. Um eigene Agents zu bauen oder zu konfigurieren, helfen Grundkenntnisse in der Kommandozeile und im Umgang mit APIs — tiefes Programmieren ist mit Tools wie Claude Code aber nicht zwingend.

Was ist der Unterschied zwischen einem Agent und einer klassischen Automatisierung (z. B. mit n8n)? Eine klassische Automatisierung folgt einem festen, vordefinierten Ablauf. Ein Agent trifft innerhalb seines Ziels eigene Entscheidungen über den nächsten Schritt. Viele reale Systeme kombinieren beides: feste Workflows für wiederkehrende Prozesse, Agents für Aufgaben mit wechselnden Anforderungen.

Sind Multi-Agent-Systeme nur für große Unternehmen relevant? Nein. Auch Einzelpersonen und kleine Teams nutzen Multi-Agent-Setups etwa in Claude Code, um zum Beispiel Frontend, Backend und Tests parallel statt nacheinander zu bearbeiten.

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Boris Dittberner

Gründer, SixSides Academy & SixSides AI

Boris hilft Professionals und Unternehmen im DACH-Raum, Claude AI produktiv einzusetzen. Fragen? Schreib ihm direkt.

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